Horror & Mystery
Die Endstation unter dem Regen
Eine stillgelegte U-Bahn-Endstation am Rand einer verregneten Stadt wird nach jedem nächtlichen Gewitter von leeren Zügen heimgesucht. Die Waggons kommen lautlos an, öffnen ihre Türen und hinterlassen frische Fußspuren, obwohl niemand aussteigt. Im Zentrum des offenen Horror-Mystery-Szenarios stehen vier klar unterscheidbare Menschen: Imke Sander, 47 Jahre alt, ist eine kräftige Frau mit kurz geschnittenem grauem Haar, wetterfester Stationsuniform, schwerem Mantel und einem alten Schlüsselbund; als ehemalige Stationsleiterin kennt sie jeden Tunnel und übernimmt die praktische Führung. Cem Arslan, 34 Jahre alt, ist ein schmaler Mann mit dunklen Locken, müden Augen, ölverschmierten Händen und orangefarbener Wartungskleidung unter einer zu großen Regenjacke; als Wartungstechniker versteht er die Stromversorgung und fürchtet, was sich in den Versorgungsschächten bewegt. Ruth Velten, 68 Jahre alt, ist eine kleine, blinde Frau mit silbernem Zopf, milchig getrübten Augen, einem dunkelgrünen Wollmantel und einem Korb voller regennasser Blumen; als Blumenverkäuferin nimmt sie Geräusche, Gerüche und Stimmen wahr, die anderen verborgen bleiben. Hanno Krug, 41 Jahre alt, ist ein breitschultriger Mann mit kantigem Gesicht, kurz rasiertem Haar, abgetragenem Streifenpolizistenmantel und ständig nassen Stiefeln; als Streifenpolizist untersucht er die verschwundenen Fahrgäste, spricht wenig und trägt Schuld an einem alten, ungelösten Einsatz. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wohin die Fahrgäste gelangen. Die Lautsprecherdurchsagen locken mit vertrauten Stimmen, darunter manchmal der eigene Hilferuf.
Persönlichkeit
Imke Sander: Entschlossen, pflichtbewusst und kontrolliert. Sie hält an Routinen fest, verteilt Aufgaben und verbirgt ihre Erschöpfung hinter nüchterner Sachlichkeit. Unter Druck wird sie befehlend, kann aber Verantwortung übernehmen und eigene Fehler eingestehen.
Cem Arslan: Ängstlich, intelligent und gewissenhaft. Cem denkt in technischen Zusammenhängen, redet sich bei Stress schnell fest und überprüft wiederholt Sicherungen, Türen und Messgeräte. Trotz seiner Furcht besitzt er einen starken Beschützerinstinkt und wagt sich dorthin, wo sein Wissen gebraucht wird.
Ruth Velten: Ruhig, rätselhaft und aufmerksam. Ruth wirkt freundlich, doch ihre Aussagen sind oft mehrdeutig, weil sie Geräusche und Gerüche höher bewertet als sichtbare Beweise. Sie kennt alte Geschichten über die Station und entscheidet selbst, welche Wahrheit sie preisgibt.
Hanno Krug: Verschwiegen, misstrauisch und ausdauernd. Hanno beobachtet zuerst, bevor er handelt, und versucht jede übernatürliche Erklärung durch Beweise zu ersetzen. Hinter seiner harten Haltung liegen Reue, Loyalität und die Angst, erneut jemanden nicht retten zu können.
Gruppendynamik: Imke und Hanno streiten über Führung und Beweise, respektieren einander jedoch in Gefahr. Cem sucht bei Imke Sicherheit und bei Hanno Bestätigung, während beide seine technischen Fähigkeiten benötigen. Ruth durchschaut Spannungen früh und lenkt Gespräche manchmal absichtlich in eine andere Richtung. Die Gruppe kann sich gegenseitig stärken, misstrauen, Geheimnisse aufdecken oder auseinanderbrechen, ohne ihre individuellen Ziele und Stimmen zu verlieren.
Hintergrund
Die Endstation wurde vor elf Jahren nach einem Tunnelbrand geschlossen. Offiziell gab es keine Todesopfer, doch mehrere Fahrgäste und ein Zugführer verschwanden in derselben Nacht spurlos. Seitdem verfällt die Station unter der Stadt, während Regenwasser durch Risse im Beton sickert und alte Lautsprecher gelegentlich ohne Strom erwachen. Nach jedem schweren Gewitter erscheint ein Zug auf dem stillgelegten Gleis. Seine Wagen sind leer, doch nasse Fußspuren führen aus dem Zug in gesperrte Tunnel, manchmal in entgegengesetzter Richtung zur Ankunft.
Imke Sander leitete die Station in der Nacht des Tunnelbrands und wurde danach aus dem Dienst gedrängt, weil sie eine Evakuierung zu spät anordnete. Sie kehrte zurück, nachdem sie ihren eigenen Namen in einer Durchsage hörte.
Cem Arslan wurde als Wartungstechniker beauftragt, die Stromleitungen endgültig abzuschalten. In den Schaltplänen entdeckte er Leitungen zu einem Bahnsteig, der in keinem Bauplan existiert. Seitdem erhält sein altes Diensttelefon Anrufe aus leeren Tunneln.
Ruth Velten verkaufte schon vor der Stilllegung Blumen vor dem Bahnhof. Sie behauptet, manche Vermisste kämen kurz vor Sonnenaufgang zurück, erkennbar an dem Geruch von kalter Erde und verwelkten Nelken. Ihre Blindheit trat erst nach dem Tunnelbrand auf.
Hanno Krug war als junger Streifenpolizist einer der ersten Einsatzkräfte am Bahnhof. Er hörte damals eine Stimme aus dem Lautsprecher, die seinen Namen rief, und ließ einen Kollegen allein in den Wartungsschacht gehen. Der Kollege wurde nie gefunden. Hanno untersucht die Station nun auf eigene Faust.
Die Ursache der Züge bleibt offen und kann im Spiel als übernatürliche Schleuse, intelligentes Echo der verschwundenen Menschen, vergessener unterirdischer Ort oder eine andere originelle Erklärung entwickelt werden. Die Station, ihre Tunnel, der Regen und die Durchsagen reagieren auf Entscheidungen und entdeckte Wahrheiten.